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Der Stadtverband feierte vom 23. Mai bis zum 09. Juni 2007 sein 50-jähriges Bestehen
mit einem Festakt in der Glashalle
der Stadtsparkasse Wuppertal, einer Ausstellung im Lichthof des Rathauses
vom 02. - 09.06. und einem Bürgerfest auf dem Johannes-Rau-Platz /
Rathausvorplatz am 09.06..
Wir veröffentlichen hier die
Festrede des Vorsitzenden sowie fotografische
Eindrücke von den Veranstaltungen.
Das Copyright der Bilder liegt bei Herrn Kurt Florian, Herrn Karl-Heinz
Emde sowie bei den Eheleuten Hahn. Eine Weiterverendung der Bilder ist
nur mit ausdrücklicher Zustimmung möglich. Diese Zustimmung
wird gerne von uns vermittelt. Bitte nehmen Sie hier Kontakt mit uns auf.
Zum Betrachten der Bilder der Ausstellung klicken Sie bitte hier: Die Bilder des Bürgerfestes finden Sie hier.
Festrede des Vorsitzenden des Stadtverbandes, Herrn Prof. Dr. Wolfgang Baumann am 23. Mai 2007
Herr Oberbürgermeister,
liebe Ehrengäste,
liebe Wuppertaler Bürgerinnen und Bürger,
Peter Vaupel, der
Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Wuppertal hat Sie
begrüßt. Ihm für diesen Empfang und die
Durchführung unseres Festaktes in der Glashalle der Sparkasse
Wuppertal wie auch für seine Arbeit und seine Leistungen als
richtungweisendes Vorstandsmitglied unseres Stadtverbandes in den
letzten 20 Jahren zu danken, ist mir ein persönliches
Bedürfnis. Ohne die Beiträge der Sparkasse zu fast allen
kulturellen und sozialen Bereichen dieser Stadt wäre Wuppertal
weniger bürgerfreundlich.
Der Festakt erinnert an die
Gründung des Stadtverbandes der Bürger- und Bezirksvereine
Wuppertal am heutigen Tage vor 50 Jahren. Unter der Führung von
Dr. Wilhelm Klugmann, dem Vorsitzenden aus Rittershausen, riefen am 23.
Mai 1957, im Wuppertaler Hof die Vorsitzenden von 24 Bürger-,
Heimat- und Bezirksvereinen den Stadtverband ins Leben. Bei einer
Stadtgeschichte Wuppertals von nur 78 Jahren konnte ein Stadtverband
erst 1957 konstituiert werden. Nationalsozialisten und
Besatzungsmächte hatten die Aktivitäten unserer
Bürgervereine, deren erste Gründungen weit in das 19.
Jahrhundert zurückreichen, in einem Zeitraum von fast zwei
Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts lahm gelegt.

Anfang bis Mitte der 70er Jahre
durchliefen die Bürgervereine eine schwierige Zeit. In Folge der
68er Bewegung wurden Bürgervereine als vom Zeitgeist
überholte - in der damaligen Diktion - als revisionistische
Institutionen diskreditiert. Es war 1976 Graf von Armansberg, der die
Bürgervereine aus dem Tal führte und als Vorsitzender des
Stadtverbandes diesem wieder Ansehen, Anerkennung und Geltung in der
Wuppertaler Gesellschaft verschaffte. Heute steht die Berechtigung der
Bürgervereine außer Frage. Unser Oberbürgermeister
Peter Jung betont bei seinen zahlreichen Besuchen aller
Bürgervereine, dass er selbst seine politische Karriere im
vorpolitischen Raum als Vorsitzender eines Bürgervereins gestartet
hat und sich den gemeinwohlorientierten Zielen aller Wuppertaler
Bürgervereine dauerhaft verpflichtet fühlt.
Als äußeres Zeichen hat
unser Oberbürgermeister heute auf seine Teilnahme am Deutschen
Städtetag verzichtet und wird gleich zu uns sprechen. Dafür
möchte ich ihm schon jetzt danken.
Ein 50jähriges Jubiläum
gibt Anlass zur Rückbesinnung. Wir könnten mit Stolz auf
Geleistetes, auf unzählige erfolgreiche Projekte in der gesamten
Stadt zurückblicken. Oft gaben die Bürgervereine den
Anstoß für Veränderungen, oftmals wurde aber auch
tatkräftig zugepackt, um Stadtteilprojekte umzusetzen. Neben ihrem
bekannten Einsatz im vorpolitischen Raum setzten sich
Bürgervereine schon für aktive Stadtteilpflege und die Pflege
unserer Umwelt ein, als Umweltschutz von politischen Parteien noch
nicht als Thema besetzt war. Bürgervereine leisten soziale
Einbindungen der Mitbürger durch ihre zahlreichen
gesellschaftlichen Veranstaltungen. Viele und vielfältige
Aktivitäten mit karitativen, gemeinnützigen Zwecksetzungen
tragen in der Summe zu hohen Spendenaufkommen in unserer Stadt bei.
Zwar sollte derjenige, der Gutes tut, gelegentlich auch darüber
sprechen, damit andere ihm nacheifern. Von diesem üblichen Muster
der Rückbesinnung will ich trotz des Festaktes abweichen, denn die
Leistungen der Bürgervereine sind in diesem Kreis bekannt.
Wir wollen uns der Zukunft zuwenden.
Die abgeschlossene Vergangenheit können wir nicht mehr gestalten,
nur zum Vorbild für künftige Gestaltungen nehmen. Unsere
Gesellschaft verändert sich und stellt neuartige Anforderungen.
Was werden die wichtigsten neuen
Herausforderungen unserer Wuppertaler Bürger-vereine in den vor
uns liegenden Jahrzehnten sein?
Ich nenne vier gesellschaftliche
Herausforderungen, denen unsere Vorstände sich sofort stellen
müssen, ohne die bewährten traditionellen Aufgaben zu
vernachlässigen.
1. Ausländische Mitbürger müssen in unsere Bevölkerung integriert werden.
2. Der dramatische Bevölkerungsrückgang Wuppertals muss gestoppt werden.
3. Wuppertal muss kinderfreundlicher werden.
4. Wir müssen die Urbanität unserer Wuppertaler Stadtteile weiter steigern.
Schlagwortartig will ich diese vier Bereiche ansprechen:
1. Die vordringlichste Aufgabe
unserer Gesellschaft ist die Integration unserer ausländischen
Mitbürger, deren Bevölkerungsanteil ständig wächst.
Ausländerghettos würden künftige Generationen in unserer
Stadt mit gesellschaftlichen Spannungen belasten. Wir brauchen die
ausländischen Mitbürger als Partner, nicht als von den
Deutschen ausgeschlossene Bewohner separater Stadtteile. Durch ihre
parteipolitische und konfessionelle Neutralität eignen sich
Bürgervereine zur Integration von Ausländern.
Bürgervereine könnten so etwas wie das Wuppertaler
Integrationsmodell entwickeln. Was ist konkret zu tun? Wir müssen
positiver auf unsere ausländischen Mitbürger zugehen. Wir
müssen in allen Stadtteilen ausländische Mitbürger
gezielt ansprechen und zur Teilnahme an Veranstaltungen der
Bürgerverei-ne und zum aktiven Mitmachen einladen. Das braucht
Vorbereitung und Zeit. Wir dürfen uns durch skeptische
Zurückhaltung ausländischer Mitbürger nicht entmutigen
lassen. Je größer die kulturellen und sprachlichen
Unterschiede sind, desto aktiver sind die Herausforderungen anzunehmen.
Niemand muss türkisch oder arabisch lernen oder sich
türkischen Kulturvereinen anschließen. Aber wir sollten uns
mit grundlegenden Sitten und Gebräuchen so konkret vertraut
machen, dass wir Moslems nicht zum Spanferkelessen einladen, sondern
bei Stadtteilfesten z.B. auch Hammelbraten anbieten. Die tradierten
Werte unserer abendländischen europäischen Kultur können
wir wahren, ohne bei Stadtteilfesten gläubige Moslems durch hohen
Alkoholgenuss vom Mitfeiern abzuhalten. Als Sofortlösung schlage
ich vor, dass jeder Bürgerverein einen Ausländerbeauftragten,
noch besser einen Ausländer in den Vorstand wählt, auch in
Stadtteilen mit geringem Ausländeranteil.
Die hoffentlich erfolgreiche Ausländerintegration könnte unserer Stadt neue Schubkraft verleihen.
2. Wir müssen den dramatischen
Bevölkerungsrückgang Wuppertals stoppen. Wuppertal schrumpft.
Ein Bevölkerungsschwund von 440.000 Einwohnern auf 360.000 und
künftig 320.000 Einwohner führt zu einem Bedeutungsverlust
Wuppertals. Die Innenstädte verlieren an Besuchern. Die
Wirtschaftskraft sinkt. Das Steueraufkommen sinkt. Stadtteile
verslummen, Grundstücke, Häuser und Wohnungen verlieren an
Wert. Wir brauchen in Wuppertal Bevölkerungswachstum. Wir
müssen darüber nachdenken, wie wir unsere Stadt für
Auswärtige so attraktiv machen können, dass sie gern nach
Wuppertal ziehen und junge Familien sich hier wohl fühlen.
Jedes Jahr holt die Bergische
Universität Tausende von jungen Menschen in unsere Stadt. In
anderen Universitätsstädten bleibt ein hoher Prozentsatz der
Absolventen nach dem Ende des Studiums am Studienort wohnen. Nicht so
in Wuppertal. Das ist kein Versäumnis der Universität. Manche
Städte leben nur von ihren Universitäten. Was können die
Bürgervereine leisten:
Wir können ein Klima des
Vertrauens als Universitätsstadt Wuppertal schaffen. Wir
können - darauf komme ich gleich zu sprechen -mit schönen
Stadtteilen Wuppertal attraktiv machen.
Der frühere Rektor der
Bergischen Universität, der Wiener Prof. Hödl verglich
Wuppertal des öfteren mit Wien und betonte, dass er sich in
unserer Stadt deshalb besonders wohl fühle, weil diese noch so
viele intakte Stadtteilzentren habe. Die vielfältigen
Schönheiten unserer Stadt müssen wir besser vermitteln.
3. Wuppertal muss die
kinderfreundlichste Stadt Deutschlands werden. Das ist keine
unerfüllbare, nicht einmal schwierige Aufgabe, weil andere
Städte dieses Ziel sich noch nicht gesetzt haben. Kinder sind die
Zukunft unserer Gesellschaft. Bürgervereine können unsere
Stadt um vieles kinderfreundlicher gestalten. Wir können z.B. in
allen Stadtteilen mehr Spielmöglichkeiten für Kinder
schaffen. Wir können mehr Kinderfeste veranstalten. Wir
müssen uns mehr um die Bedürfnisse junger Familien
kümmern. Wir könnten ihnen z.B. durch Kontaktnetzwerke in
Bürgervereinen helfen, nette Nachbarn zu finden, die auch mal
Kinder abends beaufsichtigen.
4. Eine dauerhafte Herausforderung
der Bürgervereine mit immer neuartigen Aufgabenstellungen bleibt,
die Urbanität aller Stadtteile zu stärken. Dass auch
Großprojekte angepackt werden können, hat der
Bürgerverein Küllenhahn unter Leitung seines damaligen
Vorsitzenden Peter Jung mit dem Schwimmleistungszentrum vorgemacht.
Vorbildlich in der Umsetzung neuer Ziele ist die Wuppertalbewegung. Ich
begrüße den Vorsitzenden Dr. Carsten Gerhard. Ein Rad-,
Jogging- und Wanderweg von 18 km Länge auf der Talachse Wuppertals
wird dauerhaft zur Aktraktivitätssteigerung unserer Stadt
beitragen.
Die Topographie Wuppertals stellt
Stadtplaner vor schwierige Gestaltungsaufgaben. Eine polyzentrische
Stadtplanung Wuppertals stellt kreativ höhere Anforderungen, als
die Nachbildung von Städten, die historisch um einen Kern aus
Markt, Rathaus, Kirche gewachsen sind. Die
spezifischen Schönheiten unserer Stadt mit Fluss und Hanglagen an
der langezogenen Talachse sind in eine intelligente Stadtplanung
einzubinden.
Die Pflege von Stadtteilzentren ist
kein Widerspruch zur von der IHK mit unserer Unterstützung
geforderten Städtevereinigung. In einer immer enger
zusammenwachsenden, globalisierten Welt braucht jeder Bürger
Identifikationspunkte in seiner unmittelbaren Nachbarschaft. Die Arbeit
in unseren Bürgervereinen ist vom Geist nachbarschaftlicher
Verständigung geprägt und kann das Zusammenleben sicherer
machen. Ein lebenswertes bürgernahes Wohnumfeld, mit intakten
Nachbarschaften, ist einer Gesellschaft vorzuziehen, in welcher der Tod
eines Nachbarn wochenlang unbemerkt bleibt.
Die Verknüpfung von Subzentren
unterstützt eine dezentrale Verkehrsplanung. Indem die
Bürgervereine dazu beitragen, dass die kleinen Stadtteile in
unserer Stadt erhalten bleiben, verbessern sie auch die
Lebensqualität benachteiligter Bürger, die aufgrund Alters,
Gebrechlichkeit oder Behinderungen nicht über ausreichende
Mobili-tät verfügen und auf eine hausnahe Versorgung
angewiesen sind.
Durch Wuppertal geht in den letzten
Jahren ein Ruck wie Josef Beutelmann kürzlich formulierte.
Wuppertal Aktiv, die Wuppertal Marketing Gesellschaft, zahllose
Netzwerke, die Regionale, die Bergische Expo, die Wuppertalbewegung und
nicht zuletzt der NRW-Tag im kommenden Jahr belegen, dass neuer Schwung
in unsere Stadt gekommen ist, den unsere Bürgervereine
verstärken sollten. Dieser Schwung wird mit finanziellen Mitteln
eines neuen Mäzenatentums in Wuppertal
ermöglicht, wie als herausragendes Beispiel die
Jackstädt-Stiftung zeigt, wofür wir unserer Wuppertaler
Bürgerin Lore Jackstädt zu tiefem Dank verpflichtet sind.
Wirkungsgrad und
Entfaltungsmöglichkeiten des Stadtverbandes hängen vom
Einsatz seiner Mitglieder ab. Ich danke jedem für seinen
ehrenamtlichen Einsatz. Mögen die Beiträge des einzelnen
klein sein, in der Summe wirken sie gewaltig, wie das
Ein-Stunden-Modell des Freiherrn von Blomberg zeigt. Als Vorsitzender
des Stadtverbandes bin ich von der Unterstützung meiner
Vorstandskollegen Kurt Florian, Peter Vaupel, Werner Zanner, Karl-Heinz
Emde, Werner Hahn, Hermann-Josef Brester und Andreas Ackermann
abhängig. Ich danke Ihnen für ihren ehrenamtlichen Einsatz
und die gute Zusammenarbeit, ebenso allen Vorständen und
ehrenamtlich tätigen Mitgliedern unserer Wuppertaler
Bürgervereine. Frank Ifang und sein Team von der Sparkasse
Wuppertal verdienen ein großes Lob für ihren
persönlichen Einsatz selbst am Wochenende bei der Vorbereitung
dieses Festakts. Zum 50-Jährigen Jubiläum des Stadtverbandes
wünsche ich uns allen, dass die Wuppertaler Bürgervereine
noch lange zum Wohle unserer geliebten Stadt mit Erfolg wirken
können.
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